Posts

Eine sorbische Burganlage

Bild
Heute kommen wir zu einer Sage, die sehr gut die Sagen aus der Zeit der Sorben mit denen aus der Ritterzeit, die wir uns als nächstes anschauen wollen, verbindet. Es handelt sich dabei um eine Sorbenfeste bei Schloß Burgk, die schon lange vor der noch heute über der Saale thronenden Burg gestanden haben soll. Allerdings nicht oben auf dem Berg, sondern unten im Tal, direkt neben der Saale in der Nähe des ehemaligen Eisgutes und ein Stückchen vor der heutigen Eisbrücke. Hier trotzten die Sorben jedem Gegner und leisteten besonders starken Widerstand, als das fränkische Schwert und das christliche Kreuz ihnen die Freiheit nehmen wollte. Die später zerstörte Festung erhielt deshalb im Volksmund den Namen Trotzeburg. 

Den Bewohnern der Umgegend war der Ort mit der Zeit unheimlich geworden. Und so erzählte man sich Geschichten von Zwergen und Nixen aus der Saale die in der Ruine ihr Unwesen trieben. Natürlich wagte sich deswegen auch kein Mensch mehr dort hin und schnell überwucherten Str…

Entstehung einer Sage

Bild
Heute wollen wir uns mal nur mit der Entstehung einer Sage beschäftigen. Die Sage vom Schlüsselstein ist da ein gutes Beispiel, weil sie besonders vielschichtig ist, mit Geschichten, die aus verschieden Epochen stammen und zu einer Sage verbunden wurden. Es ist allerdings nicht ganz leicht die einzelnen Schichten aufzudröseln, denn je älter eine Sage ist, desto schemenhafter sind die Spuren, die zu den wirklich passierten Vorfällen führen. Wir wollen aber doch versuchen, wie ein Archäologe die einzelnen Schichten der Sage nach und nach freizulegen.

Beginnen wir bei der ersten Aufzeichnung der Sage. 1902 zog Harry Wünscher durch die Dörfer und schrieb alles auf was ihn die Leute an Geschichten erzählten. Danach ordnete er alles und veröffentlichte es in dem Buch Sagen Geschichten und Bilder aus dem Orlagau. Darunter war auch unsere Sage. Und man muss es sich sehr klar bewusst machen, nur deshalb kennen wir die Sage heute noch, denn vor allem durch die Erfindung von Radio und Fernsehe…

Der Schlüsselstein

Bild
Vor langer Zeit, als noch Sorben das Land östlich der Saale bewohnten, stand auf der bewaldeten Höhe zwischen Stanau, Strößwitz, und Bremsnitz eine Burg. Sie war, wie zu der Zeit üblich, nur aus starken Holzstämmen errichtet. Der Herr dieser Burg war ein Grenzwächter des Orlagaues, der diesen Bau als Lehen von dem Grafen der Sorbenmark empfangen hat. Es war die Belohnung für treue Dienste in den Kämpfen, die zur Unterjochung der Sorben führten. Der Grenzwächter war nicht nur für die Sicherheit des Grenzgebietes verantwortlich, ihm war auch der Einzug der Abgaben und die Aufsicht über die Frondienste unterstellt. Diese Aufgaben erfüllte er mit Härte und strenger Hand, deshalb war er bei den Sorben, in den Dörfern rund um die Burg sehr gefürchtet und noch mehr verhasst.
Auch in seiner Familie war der Herr schroff und hart. Unter der Rauheit seiner Sitten und seines Charakters litt vor allem seine Frau, die oft harte Worte zu hören bekam, vor allem dann wenn sie Mitleid für andere zeigt…

Das Hirtengrab in Ottmannsdorf

Bild
Die Slaven im Orlagau hielten mit großer Zähigkeit an ihrer alten Religion fest. Der Orlagau war ein zusammenhängender Unterverwaltungsbezirk mit dem Hauptort Saalfeld, der zur sogenannten Sorbenmark gehörte, die wiederum direkt dem König unterstellt war. Bei einer ersten Schenkung wurde der Orlagau und seine Bewohner 1014 weitergegeben und fiel im Jahr 1057 an das Erzbistum Köln mit dem obersten Lehnsherrn Erzbischof Anno von Köln, der sich die Christianisierung der Sorben auf die Fahne geschrieben hat. Das sollte zu jener Zeit aber noch nicht wirklich gelingen, noch 1071 sprach Anno davon, dass „die Bevölkerung des Orlagaus roh und heidnisch ist“ und selbst 55 Jahre später bezeichnete Papst Honorius II. diese Bevölkerung immer noch als „halbheidnisch“.

Mancher Abt des Benediktinerklosters Saalfeld hat vergeblich auf die Frucht gewartet, die mit dem Samen des göttlichen Wortes wachsen sollte. Auch ist so mancher Missionsbruder ins Grab gestiegen, ohne dem Herrn auch nur eine Seele g…

Das Tal der Wilzen

Bild
Heute geht es gleich um mehrere Sagen, alle sollen mehr oder weniger von den Sorben im Schiefergebirge rund um Gahma gehandelt haben, wobei wir bei der Auswertung feststellen, dass doch einiges von dem Erzählten schon viel älter ist.

Zwischen den Dörfern Rauschengesees und Burglemnitz zieht sich eine Talrinne bis zum Sormitztal hin, begrenzt von einer Kette von fast gleichförmigen Bergen. Dieser Grund heißt das Tal des Großen Wilschnitz, benannt nach dem eher kleinen Bächlein große Wilschnitz. Der Sage nach wurde das Tal aber ursprünglich das Wilzental genannt, weil hier zu Vorzeiten der räuberische Stamm der Wilzen wohnte. Die Wilzen fanden jedoch in dieser Talsenke auch ihr Grab. Sie wurden im Kampf mit den Ureinwohnern der Gegend geschlagen und fast gänzlich vernichtet.
Seit dieser Schlacht soll es im Wilzental nicht mehr geheuer sein, weil sich hier gespenstische Wesen des Nachtens rum treiben. Jedem der dem Tal bei Dunkelheit zu nahe kommt, wird auf irgendeine Art erschreckt. De…

Wlawa und Ardal

Bild
Einst erhob sich unweit der weißen Elster, am Flussabschnitt den schon die alten Germanen Geraha nannten, eine Burg mit gleichem Namen. Diese Burg Geraha befand sich an der Stelle, die man später die Häselburg bezeichnete und die man heute in Geras Zentrum findet, nur ein paar Schritte vom Rathaus entfernt. Hier lebten einst zwei sorbische Fürstenbrüder und teilten sich die Herrschaft über die Landschaft und deren sorbische Bevölkerung.

Zschargha hieß der ältere der beiden Brüder. Er hat seine Frau schon früh verloren, doch hatte er einen Sohn aus dieser Ehe, der sein Sonnenschein und sein Glück war. Er hieß Ardal. Der jüngere der beiden Brüder hieß Halwar. Er war mit Wlawa, der Tochter eines tschechischen Stammesherren, verlobt. Wlawa weilte bereits seit ein paar Wochen auf der Burg, denn in wenigen Tagen wollten die beiden heiraten.
Die Vorbereitungen zur Hochzeit wurden allerdings jäh unterbrochen, als ein Bote mit der Schreckensnachricht eintraf, dass von der oberen Saale her ein…

Ein Bund der Sorben

Bild
Um diese Sage verstehen zu können muss man weit ausholen, denn die Ereignisse, die dieser Sage vorausgingen, erinnern schon ein wenig an die verwirrenden und verflochtenen Handlungen der Erfolgsfernsehserie "Game of Thrones".

Den Bund der Sorben gehen der schon bekannte Derwan, Anführer des slawischen Stammes der Sorben und Samo, Anführer einer Vereinigung vieler slawischer Stämmen ein. Samo wurde laut der frühmittelalterlichen Fredegar-Chronik um 600, in dem von den Merowingern regierten Frankenreich geborenen. Als Geburtsort wird die Stadt Sens angenommen, die etwas südöstlich von Paris liegt. Er war also Franke und als Kaufmann, und wohl auch als Sklavenhändler, kam er häufig ins Land der Slawen und sprach deswegen auch die slawische Sprache sehr gut.

Als er nun wieder mal mit seinem bewaffneten Trupp im Land der Slawen unterwegs war und Waffen gegen Tuche, Honig und Sklaven tauschen wollte, brach dort gerade ein Aufstand der Slawen gegen die sie unterdrückenden Awaren l…