Der Riese Derwig

So könnte der Herrensitz ausgesehen haben. Weil die
slawischen Burgen des 6. 7. und 8. Jahundertsaus Holz
gebaut wurden, findet man heute nur noch selten
Überreste von diesen Bauwerken,so auch nicht
auf dem Dervgberg.


Vor vielen, viele Jahren kam ein großmächtiger Riese von Osten her in unser Land. Seine Gefährten nannten ihn Derwig. Vor dieser Zeit hat er hat er weit weg, im Riesenland gewohnt. Allerdings konnte er dort nicht bleiben, weil er von seinen Nachbarn so hart bedrängt und befeindet wurde, dass er sich endlich entschloss eine neue Heimat für sich und seine Gefährten zu suchen.

Eine geraume Zeit sind sie schon gewandert als sie den dichten Eichwald in unsrer Gegend erreichten. Hier fanden sie, was sie suchten und ließen sich alle miteinander nieder. Neben guten Siedlungsmöglichkeiten bot ihnen das Land ausreichend Wild zum Jagen, gute Grasplätze für die Herden und günstige Berge zur Errichtung eines sicheren Herrensitzes.

Den Drommberg findet man, wenn man von Pößneck
in Richtung Neustadt fährt und in Kolba rechts
durch den Straßentunnel in Richtung Weira fährt.
Von seinen Waffengefährten geehrt, die ihm ewigen Gehorsam schworen, bezog der Riese Derwig seinen Herrensitz auf einem dieser Berge, der daher der Derwigsberg genannt wurde. Auf einigen in der Nähe gelegenen Felsenhöhen ließ er zwei Hochaltäre für seine Götter errichten, auf denen er und seine Gefährten viele Jahre lang Opfer darbrachten.

Eines Tages aber zog er hinab in das Saaletal, wo er in Freundschaft von den Helden der Saale empfangen wurde und in ihren Reihen aufgenommen wurde.



Oben vom Drommberg hat man eine gute Sicht auf Kolba (rechts). Weiter hinten kann man Oppurg erkennen und dahinter Pößneck.

Der Riese Derwig war eine real existierende Peson. In der sogenannten Fredegar-Chronik wird dieser als Dervanus dux gente Surbiorum - Derwan Führer der sorbischen Leute erwähnt. Die Bezeichnung Riese bezieht sich weniger auf seine Körbergröße, sondern entstammt wohl eher aus dem Tschechischen, wo ríše soviel wie Reich bedeutet. Aus ríše Derwan, das Reich Derwan, wurde in der Überlieferung so der Riese Derwig.
Ein weiterer Teil der Geschichte, der sich als zutreffend heraus stellt ist die Tatsache, dass die Sorben anfangs des 7. Jahrhunderts tatsächlich aus dem Osten, wahrscheinlich aus dem Gebiet des heutigen Ostmährens, in das Gebiet östlich der Saale einwanderten. Der Grund für die Wanderung waren der Einfall der Awaren, ein Reitervolk das den Hunnen, Ungarn und Mongolen ähnelte und das die Slawen der dortigen Gegend unterjochte, sodass die es vorzogen ihr Heil weiter im Westen zu suchen.



Der Dervgberg ragt nicht über die anderen Berge hinaus. Das Bild zeigt die Straße am Ortsausgang von Weira in Richtung Quaschwitz. Ganz rechts der Dunkle Wald gehört zum Dervgberg oder Dürrberg der von hier aus hinter dem Dervgbach oder Dürrbach liegt.

Auch die beschriebenen Berge und Fluren sind wirklich aufzufinden. So plätschert zwischen Weira und Quaschwitz der Dürrbach der Orla entgegen. Die Einheimischen nennen ihn Dervgbach oder Derwigsbach. Direkt neben diesem Bach, ebenfalls zwischen Weira und Quaschwitz findet man den Derwigsberg, in heutigen Karten Dürrberg genannt, auf dem wohl der beschriebene Herrensitz gestanden haben muss.
Und auch die Felsenhöhen, auf denen die Hochaltäre errichtet worden waren können lokalisiert werden, es ist der Drommberg, der oberhalb von Kolba, an der Straße nach Kropitz und Weira liegt.

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