Das Tal der Wilzen

Der Grund des Großen Wilschnitzbaches


Heute geht es gleich um mehrere Sagen, alle sollen mehr oder weniger von den Sorben im Schiefergebirge rund um Gahma gehandelt haben, wobei wir bei der Auswertung feststellen, dass doch einiges von dem Erzählten schon viel älter ist.

Zwischen den Dörfern Rauschengesees und Burglemnitz zieht sich eine Talrinne bis zum Sormitztal hin, begrenzt von einer Kette von fast gleichförmigen Bergen. Dieser Grund heißt das Tal des Großen Wilschnitz, benannt nach dem eher kleinen Bächlein große Wilschnitz. Der Sage nach wurde das Tal aber ursprünglich das Wilzental genannt, weil hier zu Vorzeiten der räuberische Stamm der Wilzen wohnte. Die Wilzen fanden jedoch in dieser Talsenke auch ihr Grab. Sie wurden im Kampf mit den Ureinwohnern der Gegend geschlagen und fast gänzlich vernichtet.

Seit dieser Schlacht soll es im Wilzental nicht mehr geheuer sein, weil sich hier gespenstische Wesen des Nachtens rum treiben. Jedem der dem Tal bei Dunkelheit zu nahe kommt, wird auf irgendeine Art erschreckt. Dem einen sind feurige Zwerge erschienen, ein anderer hat hässliche Fratzen im Wald gesehen und noch anderen sind Gespenster begegnet.

Blick von Rauschengesees nach Burglemnitz
Von der Hermeshöhe, ein Hügel zwischen Rauschengesees und Burglemnitz erzählt man sich, dass hier vor langer Zeit jeden Abend zu nächtlicher Stunde, ein riesiger Feuermann mit einer Fackel, unter dumpfen Getöse entstiegen ist. Seine Fackel schwang er funkensprühend über seinem Kopf. Dann schritt er hinab ins Wilzental bis zur sogenannten Prodentälle, wo er seine Fackel in der Quelle löschte und dann verschwand. Später sah man ihn nicht mehr, dafür konnte man einige Zeit lang jede Nacht ein feuriges Männlein an der Quelle beobachten.


Eine weitere Sage erzählt ebenfalls von der Hermeshöhe bei Burglemnitz. Hier soll sich einst ein heidnischer Tempel befunden haben, in dem die Säule des Gottes Hermäna verehrt wurde.

Wir gehen nur einen Kilometer weiter, nach Gahma. Hier sollen sich nach einer anderen Sage einst Schutz suchende Sorben im Wald angesiedelt haben und auf den Höhen ihrem Gott geopfert haben.

Der Henneberg
Auf der von Rauschengesees gegenüber liegenden Seite des Sormitztals erhebt sich der Henneberg. Eine Sage erzählt, dass auf dem Henneberg eine Bildsäule des Swantewit verehrt wurde. Diese Bildsäule wurde nach einer weiteren Sage in eine Bildsäule des heiligen Veit umgewandelt, wodurch das nahe gelegene Dorf den Namen Veitsberge erhalten habe. Aus Veitsberge ist der Name Weitisberga geworden, wie das Dorf heute noch heißt.

Wir müssen nun die ganzen Sagen etwas auseinander nehmen und einordnen. Günter Wachter erzählte die Sage vom Wilzental in seinem Büchlein „Der Schatz unterm Stelzenbaum“ noch so, dass sie eindeutig sorbisch erschien. Allerdings gibt es mehrere Versionen dieser Sage und die neuere Forschung ist sich einig, dass sie vorsorbisch sein muss. Mit großer Wahrscheinlichkeit reicht sie sogar zurück bis in keltische Zeit. So verehrten die Kelten ihre Götter auch an geheiligten Quellen mit brennenden Feuern. Weiterhin wurden Hermänasäulen oder besser bekannt als Irminsäulen, nicht nur von den Germanen verehrt, sie dienten schon zu keltischer Zeit als Orientierungspunkte am vorzeitlichen Straßensystem. In der Dorfchronik von Burglemnitz schreibt man außerdem, dass auf dem großen Mittelberg, der etwas westlich von Burglemnitz aber am Wilschnitztal liegt, Überreste einer Burg bestehen, die auf eine keltische Reckschanze hindeutet. Die Kelten konnte man im 1. und 2. Vorchristlichen Jahrhundert in unserer Gegend als homogene Kultur antreffen. Danach sind sie von den von Norden vorrückenden Germane vertränkt worden, wobei ein großer Teil der Bevölkerung hier blieb und sich den Germanen anpasste. Auf diese Weise wurden diese alten Sagen auch weiter erzählt.
Eindeutig auf die Sorben weist die Sage von den Schutz suchenden Sorben von Gahma hin. Auch der Ortsname von Gahma ist eindeutig slawischen, genauer sorbischen Ursprungs, genauso wie die Ortsnamen von den umliegenden Dörfern Rauschengesees, Gleima und Burglemnitz. Auch die Geschichte von einer Bildsäule des Swantewit auf dem Henneberg ist wohl sorbischen Ursprungs. So war Swantewit der Sonnengott der Sorben, wodurch es schlüssig erscheint, dass dieser gerade auf einen Berg angebetet wurde. Ebenfalls schlüssig ist dann die Umwidmung zu Beginn der Christenzeit in eine Säule des Stankt Vitius, oder auf Deutsch, des heiligen Veits. Denn es war der übliche Weg der Kirche, alte Heiligtümer in christliche Heiligtümer umzuwidmen oder einfach Kirchen oder Kapellen darüber zubauen, da man so hoffte die heidnischen Einflüsse in christliche Bahnen lenken zu können.

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